BEITRÄGE

1. Dr. Hubertus von Treuenfels
  - Training natürlicher Mundfunktionen
2. Dr. Hubertus von Treuenfels
  - Therapietandem bei Cranio Mandibulären Dysfunktionen
3. Gabriele Finkbeiner - Erfahrungsbericht 4. Sabrina Pfeiffer - Erfahrungsbericht: Patient mit
    Demenzerkrankung und schwerer Hirnschädigung
5. Sabrina Pfeiffer - Erfahrungsberichte von Patienten 6. Simone Peetz-Peulen & Annette Kruschack-Gehlen
  - Die Padovan-Methode ist "Futter für die Nerven"
7. Annette Kruschack-Gehlen
  - Die Faszination der neurologischen Organisation

1. Dr. Hubertus von Treuenfels
  - Training natürlicher Mundfunktionen

Dr. Hubertus von Treuenfels Mit freundlicher Genehmigung von Dr. Hubertus von Treuenfels
Aus der GZM - Praxis und Wissenschaft 8.Jg. / 2003

Training natürlicher Muskelfunktion - die Neurofunktionelle Reorganisation nach Padovan bei cranio - mandibulären Dysfunktionen (CMD)

Der Pathologie der Gewebe, den Veränderungen der Anatomie wird viel zu oft, wenn nicht die entscheidende Bedeutung bei Myoarthropathien der Kiefergelenke beigemessen. Die Fehlleistungen der funktionellen Organisation, besonders der Muskeln, Sehnen und Bänder, d.h. ihre pathologische Bewegungsdynamik dagegen wird kaum gesehen, wenn nicht gar übersehen. Dabei ist der senso - motorische Aspekt der Erkrankung, das Muster der muskulären Bewegung, ihre Tonusregulation und Koordination von zentraler Bedeutung. Es geht also nicht nur um die Frage, wie stellen sich Form und Struktur der Gewebe im Kiefergelenk und in der Okklusion dar, sondern wie verhält sich ihre Artikulation, die Beziehung ihrer Komponenten in der Bewegung? (…)

Die Antwort hat sicher ganz viel mit der Bewegungsfunktion zu tun. Bisher mangelte es in der Kieferorthopädie und Gnathologie an einer geeigneten Technik und Methodik, die den Bewegungsapparat als Ganzes erfasst und neben der motorischen auch der sensorischen Seite Rechnung trägt.

Saugen
Das Saugen erfordert die
Absenkung der Mandibula bei
gleichzeitig Einstülpung der
Wangen. Ideale Übung zur
Tonusregulierung und
Harmonisierung der Kiefer-
Gesichtsmuskulatur bei CMD.

Beatriz A. E. Padovan füllt diese Lücke durch ein Therapiekonzept, das über das bloße Muskeltraining hinausgeht. Sie stimuliert und kontrolliert die Bewegungen durch Übungen, die streng nach dem Muster der natürlichen Organisation angewendet werden. Die sogenannte Reorganisation führt zu einer Koordination und Integration aller beteiligten Muskelaktivitäten, die das Zusammenspiel ihrer Komponeneten (Agonisten, Synergisten und Antogonisten) harmonisiert. (…)

Die Übungen, die die dysfunktionellen Bewegungsstereotypen in orthofunktionelle Bahnen lenken, sind deshalb weder frei erfunden, noch spitzfindig. (…) Der Wiederholungscharakter macht den Übungs- und Lerneffekt aus, der mit einer Art Umprogrammierung auf neurophysiologischer Basis einhergeht. (…)

Nach Beatriz Padovan , die den sog. Beruhigungssauger für therapeutische Zwecke entdeckt und adaptiert hat, ist das Saugen die beste und wichtigste aller mundmotorischen Übungen. (…) Diese myotherapeutische Schulung fördert und fordert die Mund-, Kiefer-, Gesichts-, Hals-, Nacken- und Schultermuskulatur so umfassend und nachhaltig, wie keine andere Mundbewegung oder Übung. (…)

 

Beiß - und Kauübungen
Die Beiß - und Kauübungen werden mit einem
Kauschlauch (Kaunudel genannt) durchgeführt.
(…) Die Kautschukmasse widersetzt sich der
Verformung, indem sie der Muskelkontraktion
einen elastischen Widerstand entgegenstellt. (…)

Beiß - und Kauübungen
Überforderte, hypertrophierte und geschwächte
Muskelgruppen gewinnen wieder an Kraft und
verlieren an Masse. Dagegen nehmen unterforderte
oder gar inaktive und infolgedessen atrophierte
(und ebenfalls schwache) Muskelpartien sowohl an
Kraft wie an Masse zu. (…)

In der kieferothopädisch - gnatologischen Therapie mit dem Biognathor (…) hat sich die Padovan - Therapie inzwischen als unverzichtbare Begleittherapie erwiesen. (…) In der Zahnheilkunde und in der Logopädie ist sie heute ebenso wenig wegzudenken wie die Krankengymnastik in der Orthopädie.

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2. Dr. Hubertus von Treuenfels
  - Therapietandem bei Cranio Mandibulären Dysfunktionen

Dr. Hubertus von Treuenfels

Biognator und Übungen nach Padovan

Inhalt:
Der Mensch bewegt seinen Mund, Kiefer und Körper weitgehend autonom, d.h. unbewusst (…). Durch die belastenden Anforderungen und Unruhen des Alltags "entgleisen" viele seiner Muskelfunktionen leicht: Pressen, Bruxismus, Verspannungen und andere Dyskinesien sind typisch für diese "hausgemachten" Organisationsstörungen.

Wer kann den Betroffenen von den Beschwerden, die mit "falschem" Schlucken, Atmen, Kauen und Sprechen einhergehen, den Schmerzen, der Fehlhaltung, Verkrampfung, Verhärtung (oder Verbissenheit) befreien? Nur er selbst!

Allerdings oft nicht ohne Hilfe von außen. (…)

Kurzfassung:
Der Biognator (Biognathe Orthese) ist eine grazile und für das Tragen unauffällige Variante des Bionators, die mühelos, auch tagsüber, getragen werden kann. Weil Zahnfehlstellungen und Bissanomalien (Dysgnathien) oft mit Fehlbelastung oder gar Beschwerden in den Gelenken (cranio - mandibuläre und andere Dysfunktionen des Bewegungs- und Halteapparates) einhergehen, kann das orthopädische Problem kaum ohne das gnathologische gelöst werden (und umgekehrt). Der Biognathor, kieferorthopädische Apparatur und "Schiene" in einem, bietet sich hier geradezu an. Mit seinem Doppeleffekt ermöglicht er vielfach eine natürliche und definitive Bisskorrektur bei gleichzeitiger Repositionierung der Kiefergelenke. Außerdem unterscheidet er sich von den üblichen Aufbissschienen, weil er lose sitzt. Dies führt in der Regel zu einem reflektorischen Loslasseffekt: Zähne-, Zungen- und Lippenpressen, Knirschen, Wangensaugen u. a. Parafunktionen, die von Muskelverspannungen und Schmerzen begleitet werden, lassen nach. Zahnreihen und Gelenke (auch die der Halswirbel) werden entlastet, Geräusche (besonders Knacken) sowie Einschränkungen der Kiefer-, Kopf- und Halsbewegungen werden vermindert oder ausgeschaltet.

Begleitende mund- und körpermotorische Übungen ( Neurofunktionelle Reorganisation nach Padovan) sind ein wichtiger Bestandteil dieser neuen systemischen Behandlungskonzeption. Dazu gehört hauptsächlich die Anwendung des Saugtrainers, der "Kaunudel" und des Kauknöchelchens (neben anderen Übungen) zur Tonusregulierung (Entspannung), Koordination und Harmonisierung der Mund-, Kiefer-, Gesichts-, Hals-, Nacken-, Schulter- und Rumpfmuskulatur.

(Kommentar einer Patientin: "Wieder richtig essen und schlafen zu können ist wie ein neues Leben.")

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3. Gabriele Finkbeiner - Erfahrungsbericht

Gabriele Finkbeiner Wie ich auf die Padovan-Methode aufmerksam wurde

Während eines Praktikums in meiner Studienzeit hatte ich die Gelegenheit, in einer logopädischen Praxis eine Therapiemethode kennen zu lernen, die sich bedeutend von anderen Methoden unterschied und zunächst scheinbar wenig mit der eigentlichen logopädischen Behandlung zu tun hatte: sie folgte einem festen Körperübungsprogramm. Die damit behandelten Patienten erstreckten sich von Kindern mit Down-Syndrom über allgemeine Entwicklungsverzögerungen mit weiteren einschränkenden Störungsbildern wie Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom und Lese-Rechtschreib-Schwäche bis hin zur Myofunktionellen Störung. Alle Patienten zeigten, je nach ihren Möglichkeiten, innerhalb der Behandlung große Aufmerksamkeit, Konzentration und Ausgeglichenheit. Die eigentliche logopädische Arbeit außerhalb der Körperübungen zeigte für mich deutlichere Erfolge, als bei vergleichbaren Therapien ohne die vorangegangenen Übungen.
Die behandelnde Logopädin klärte mich darüber auf, dass die von ihr angewandte Methode nach der Brasilianerin Beatriz A. E. Padovan sei. Daraufhin begab ich mich auf die Suche, um mehr Informationen darüber zu finden und stieß auf ein zunächst groß erscheinendes Hindernis: Padovan lehrt ihre Methode zwar persönlich und weltweit, dabei war es ihr mangels Zeit bisher nicht möglich, sie schriftlich zu publizieren. Es existieren aus Padovans Schriften derzeit lediglich einige Artikel in diversen Fachzeitschriften, daneben informieren außerdem Homepages logopädischer Praxen, die ihre Methode anwenden. Doch um die Methode letztlich zu begreifen sind diese Informationen zu wenig. Um mehr zu erfahren begab ich mich in ihre Kurse.

Der Weg zur Padovan-Therapie

Ich erlebte Beatriz Padovan vom ersten Moment an als große Persönlichkeit, die gelernt hat, sehr genau auf den Körper zu hören, zu sehen und zu spüren, um ihn zu begreifen und letzten Endes auch helfen zu können. Wie sie zu ihrem Wissen und der Überzeugung zu ihrer Methode gekommen ist, erzählt sie zu Beginn ihrer Kursreihe folgendermaßen:
Padovan fing nach ihrem Pädagogikstudium als junge Lehrerin in einer Waldorfschule an. Während dieser Zeit betreute sie einige Kinder, die große Sprachauffälligkeiten aufzeigten und die trotz aller Bemühungen um Sprachförderung keine nennenswerten oder befriedigenden Verbesserungen zeigten. Padovan beschloss, die Kinder bei anderen Tätigkeiten zu beobachten. Dabei fiel ihr auf, dass diese im Fach Eurhythmie nicht in der Lage waren, mit hochgehobenen Armen in eine Körperstreckung zu gelangen. Sie vermutete, dass zwischen den körperlichen und sprachlichen Inkompetenzen Verbindungen liegen könnten.
Eines der von ihr betreuten Kinder zog mit seinen Eltern von Brasilien fort, und nach einiger Zeit bekam Padovan von dessen Mutter Post. Diese hätte nun eine Diagnostik für die Störung ihres Kindes erhalten, es hätte Legasthenie.
Dieser Begriff war zu dieser Zeit in Brasilien noch nicht weit verbreitet, und Padovan machte sich auf die Suche nach Einrichtungen, die sich mit diesem Störungsbild beschäftigen. So kam sie zum Studium der Phonoaudiologie, in freudiger Erwartung auf neue, erhoffte Informationen. Zwar wurde Legasthenie dort als eines von vielen Störungsbildern gelehrt, doch leider konnte niemand Padovans Verdacht über die Beziehung zwischen Körper und Sprache bestätigen. Die therapeutischen Vorgehensweisen, die sie dort lernte, waren die gleichen, wie sie schon in ihrem Pädagogikstudium gelehrt wurden.
Ohne die erhofften neuen Erkenntnisse ging sie nach Abschluss des Studiums wieder zurück an die Walldorfschule. Während dieser Zeit wurde sie auf eine Vortragsreihe Rudolf Steiners aufmerksam, in welcher der direkte Bezug zwischen Gehen, Sprechen und Denken hergestellt wurde. Der Vortrag besagt, dass alle drei Elemente nicht getrennt voneinander funktionieren können, sondern in jedem Teilbereich die beiden anderen beinhaltet sind. Zunächst klingt diese Aussage sehr abstrakt, doch Bewegung oder Gehen als Fortbewegung benötigt eine körperliche und geistige Kompetenz oder Intelligenz. Der Körper steht in einer ständigen Rückkopplung mit seinem Geist oder Zentralnervensystem, um sich fließend bewegen zu können. Auch Sprechen ist Bewegung, die zwar primär von den Artikulationsorganen ausgeführt wird, dennoch den Körper dabei in Mimik, Gestik und Proxemik mit einbezieht. Denken selbst ist ohne die Erfahrung von Bewegung, Bildern oder von Sprache, ob verbal oder nonverbal, nicht vorstellbar. Die drei Ebenen sind also voneinander abhängig und bedingen sich gegenseitig.
Diese Erkenntnis veranlasste Padovan auf die Suche nach ihrer eigenen Methode zu gehen. Sie stieß während ihren Forschungen auf die Versuchsreihe von Temple Fay, Delacato und Doman, die ein Körperübungsprogramm entwickelten, um eine bestmögliche neurologische Reife zu erreichen. Sie übernahm das Konzept und erweiterte es in Zusammenarbeit mit Kieferorthopäden, Neurologen, Orthopäden und Kinderärzten zu einer eigenen Methode.
Die "Padovan-Methode" besteht nun schon in ihrer heutigen Form seit über 35 Jahren und Padovan betreibt mit über 40 Logopäden drei eigene Kliniken in São Paulo.

Ursachen nach Padovan am Beispiel der Myofunktionellen Störung

Padovans Ansatz bezüglich der Ursachenfindung von Myofunktionellen Störungen (z.B. ständige Mundatmung, Zungenvorstoß beim Schlucken und Sprechen mit Zahnschiefständen, starkes Speicheln oder extremes Nuckeln an Daumen, Sauger oder Gegenständen) ist neurologischer Art. Für sie sind Fehlleistungen des Körpers, abgesehen von Verletzungen, Operationsfolgen u. ä. Zeichen für ein nicht optimal ausgereiftes Nervensystem. Sie distanziert sich mit dieser Annahme deutlich von anderen Autoren und Methoden, da ihre Therapie folglich nicht alleine auf eine Muskelfunktionsübung ausgerichtet ist, sondern vielmehr die neurologische Stimulation in den Vordergrund stellt, die wiederum für die Muskelfunktionssteuerung zuständig ist.
Dieser Punkt ist wichtig um die Grundlage Padovans zu begreifen. Er soll daher noch einmal betont werden: Ihrer Ansicht nach ist also nicht die Muskelfunktion gestört, sondern die Steuerung des Bewegungsablaufes an sich. Die Auswirkung dieser Fehlsteuerung zeigt sich letztlich als logopädisch bzw. sprachtherapeutisch zu behandelndes Symptom.
Padovan stützt sich dabei u. a. auf die gleiche Annahme wie die Mototherapeuten Kesper/Hottinger sie vertreten:
"Die Motorik eines Kindes entwickelt sich auf der Grundlage eines intakten Nervensystems und ist die Vorraussetzung für die Vervollständigung einer umfassenden sensomotorischen Basis. Die motorischen Muster werden durch Erfahrung erworben, verfestigt und erweitert. Das Gehirn kennt keine Muskeln, sondern die Bewegungserfahrungen werden als ein Programm einer Nervenreizungskette im Gedächtnis festgehalten und sind jederzeit wieder abrufbar" (Kesper/Hottinger 1993, 22).
Padovan zeigt mit ihrer Methode dem Körper eines Patienten, wie er ihn gebrauchen kann. Durch die Therapie wird der Patient passiv immer wieder an alle natürlichen und im genetischen Programm vorhergesehenen Bewegungen herangeführt, sowohl die Großmotorik als auch die orofazialen Funktionen betreffend. Alle Bewegungen werden in jeder Therapie-Einheit wiederholt, so dass der Körper falsch erlernte Bewegungen korrigieren und nicht erlernte oder verloren gegangene Bewegungen erlernen kann.

Die Padovan-Methode in der Praxis

Wie aber ist es denn nun in der Praxis vertretbar, Menschen mit unterschiedlichen Symptomen (Sprachentwicklungsstörungen, Legasthenie, erworbenen und angeborenen Körperbehinderungen, Syndromen u. v. m.) zunächst das Strampeln, Kriechen oder Krabbeln beizubringen, um die Symptomatik der jeweiligen Störung zu behandeln? Mit dieser kritischen Frage beschäftigen sich mittlerweile nicht nur die ausführenden Therapeuten, sondern auch verordnende Ärzte, Krankenkassen und die Eltern der Patienten. Eine Behandlung außerhalb der sichtbaren Symptome erscheint möglicherweise auf den ersten Blick als den Sinn einer Therapie verfehlt. Da die "Neurofunktionelle Reorganisation" bisher nicht ausführlich publiziert ist, existieren viele Missverständnisse bezüglich der Methode, sogar große Skepsis bis hin zur völligen Ablehnung deren Wirksamkeit.
Zwischenzeitlich sind diverse Diplomarbeiten zu der Methode verfasst worden, um an den lehrenden Einrichtungen das Wissen über die Wirksamkeit zu verbreiten. Auch sind einige der laufenden Studien zur Wirksamkeit der Padovan-Methode bei verschiedenen Störungsbildern aller Altersgruppen mit sehr guter Prognose abgeschlossen.

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4. Sabrina Pfeiffer - Erfahrungsbericht über einen Patienten mit Demenzerkrankung und schwerer Hirnschädigung

Sabrina Pfeiffer Eine erstaunliche Erfahrung mit der Padovan-Methode machte ich vor etwa 1 ½ Jahren. Ich betreute einen Patienten, bei dem ein noch offenes Stoma vorlag, da sich der Patient auf Grund einer starken Demenz sein Tracheostoma 3x selbstständig entfernt hatte. Der Patient war nicht in der Lage sich selbstständig zu bewegen. Er wirkte wie ein Stein auf mich. Auf Grund der Vorgeschichte konnte der Patient nicht Sprechen und auch das Schlucken von Speichel gelang nicht gut. Die Ernährung erfolgte ausschließlich über eine Magensonde. Er verschluckte sich trotzdem oftmals am Speichel und hatte regelmäßig Lungenentzündung. Die körperliche und orale Wahrnehmung waren deutlich gemindert.
Ich hatte den Patienten schon ca. ein halbes Jahr mit "konventionellen" Methoden therapiert. Dies blieb in den meisten Fällen leider ohne dauerhaften Erfolg. Nachdem ich einen Spezialkurs "Neurofunktionelle Reorganisation für Wachkoma und Intensivstationspatienten" besucht hatte, wandte ich die Therapie auch bei meinem sehr schwer betroffenen Patienten an.
Ich führte zunächst nur einige wenige Körperübungen durch. Dann verließ ich die Pflegeeinrichtung. Am darauffolgenden Tag berichtete die Pflegedienstleitung, welche enormen Fortschritte mein Patient gemacht hatte. Mein Patient, der sonst nur steif daliegen konnte, hat sich ohne fremde Hilfe auf die Bettkante gesetzt und versuchte aufzustehen. Letzteres gelang ihm natürlich nicht, da sich die gesamte Muskulatur während der langen Zeit im Liegen zurückgebildet hatte. Dann ging es stetig bergauf. Zirka nach einem viertel Jahr Padovantherapie, konnte das noch offene Stoma des Patienten verschlossen werden. Das Sprechen wurde so wieder möglich. Es wurde mit dem Kostaufbau begonnen.
Heute fährt mein, nun ehemaliger, Patient alleine im Rollstuhl durch die Pflegeeinrichtung.
Er beteiligt sich an den Gruppen und bekommt mind. 1x täglich orale Nahrung unter Aufsicht. Seine Frau kommt ihn nun viel regelmäßiger besuchen, da sie nun auch die Möglichkeit hat, sich mit ihm auszutauschen. Keiner, der Ähnliches erlebt hat, wird verstehen können, wie glücklich mich der Zustand des Patienten auch jetzt immer noch macht. Diese Erfahrung hat mir gezeigt, dass man keinen Patienten aufgeben darf.
Die Arbeit mit der "Neurofunktionellen Reorganisation" ist für mich ein Geschenk. Ich freue mich jedesmal sehr darüber und hoffe in meiner beruflichen Laufbahn noch viel mehr Menschen mit dieser Methode helfen zu können.

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5. Sabrina Pfeiffer - Erfahrungsberichte von Patienten

Sabrina Pfeiffer Autistische Züge

René ist 5 ½ Jahre alt. Er leidet unter einer Sprachentwicklungsstörung mit autistischen Zügen und unter einer Sensibilitätsstörung, sowie Einschränkungen in der Motorik. Seit 2 ½ Jahren bekommt er deshalb Ergotherapie und seit 1 ½ Jahren Logopädie. Zusätzlich dazu bekommt er Frühförderung.
Vor etwa einem Jahr fingen wir in der Logopädie mit der Padovantherapie an. Seitdem hat sich Renés Zustand deutlich gebessert. Das führe ich auf diese Methode zurück.
Unter Logopädie stellt man sich in der Regel vor, dass Bildkarten vorgelegt werden, die benannt werden sollen. Bei der Padovantherapie wird die Sprache zusammen mit Bewegung gefördert.
Die Therapeutin erklärte mir in unserem ersten Gespräch, nachdem sie René kennengelernt hatte, wie die Padovantherapie abläuft und welche Inhalte die Padovantherapie hat. Sie bereitete mich darauf vor, dass mein Kind diese Form der Therapie sicherlich erst einmal ablehnen würde. Es könne sein, dass René mit Schreien oder Verweigerung reagieren würde
(*Anmerkung der Therapeutin: Das geschieht deshalb, weil der Patient die ungewohnten Reize zunächst nicht verarbeiten kann. Bestimmte Wahrnehmungsinformationen benötigt das Nervensystem aber. Wenn der Körper sich bestimmte Informationen über den Körper nicht selbst holen kann, so werden ihm durch die Therapie Stück für Stück wichtige Informationen gegeben, die sich der Körper von alleine sonst nicht mehr holen würde. Da dies ungewohnt und zunächst auch unangenehm sein kann, reagieren besonders Patienten mit starken Wahrnehmungsstörungen anfangs mit Ablehnung. ).
Zuversichtlich, meinem Kind etwas Gutes zu tun, begannen wir mit der Therapie. Es kam wie vorhergesagt. René blockte erst einmal total ab, jede Berührung war mit Schreien verbunden. Seine Körperwahrnehmung war auf den Kopf beschränkt. Dies wurde auch deutlich, als er einen Menschen malen sollte. Er bestand nur aus einem Kreis mit Augen, Nase und Mund. Durch den stets gleichen Ablauf der Therapiestunde fing René rasch an sich zu öffnen und ließ immer mehr die Berührungen der Therapeutin zu. Der Ablauf der Therapie war immer gleich, was ich als Mutter sehr positiv empfand. Ich wurde von Anfang an in die Therapie mit einbezogen, sodass ich manche Übungen zwischenzeitlich selbst zu Hause durchführen kann. Die Therapeutin hat mich ganz genau angelernt, damit die Reize, die ich mit der Übung aussende auch genau da ankommen wo sie hingehören. René ist zwischenzeitlich offen für neue Übungen. Seine Körperwahrnehmung ist soweit, dass er einen kompletten Menschen malen kann- mit allem was dazu gehört. Durch die Übungen kann er sich und andere Dinge viel besser wahrnehmen und dementsprechend seine Umwelt auch sprachlich ganz anders ausdrücken. René hat eine sehr große Entwicklung durchgemacht.
Ich bin mir sicher, wenn wir nicht das Glück gehabt hätten die Padovantherapie kennenzulernen, dann wäre René noch lange nicht soweit. Leider kennen viele Ärzte und Therapeuten diese Therapie nicht, was ich persönlich sehr schade finde.

Entwicklungsverzögerung

Unsere Tochter konnte mit 3 Jahren sehr schlecht sprechen, war ständig erkältet und grobmotorisch auffällig. Sie wurde operiert und bekam Paukenröhrchen.
Zunächst begann sie mit einer Ergotherapie, um die motorischen Defizite auszugleichen. Dann auch mit einer herkömmlichen Logotherapie, um die sprachliche Entwicklung zu fördern. Mit der Ergo hat sie gute Fortschritte erzielt, doch der Erfolg bei der Logo entsprach nicht unseren Erwartungen.
Nach einem Jahr wurde sie zum 2.Mal operiert. Kurz darauf wechselten wir zu einer anderen Sprachtherapeutin und begannen mit der Padovantherapie.
Als wir mit der Therapie begonnen hatten, beobachteten wir verschiedene Entwicklungen bei unserer Tochter. Man merkte deutlich, dass sie Phasen ihrer Entwicklung nachholte, die sie vorher in ihrer Entwicklung ausließ. Sie benötigte zum Schlafen z.B. ein Kuscheltuch, selbst im Kindergarten. Auf die Frage warum sie es benutzt, antwortete sie: "Weil ich es brauche." Nach etwa 14 Tagen gab sie es uns zurück und sagte: "Ich brauche es nicht mehr."
Seit Beginn der Therapie erleben wir oftmals neue Dinge an unserer Tochter.
Sie geht sehr gerne zur Therapie und macht gute, nicht nur sprachliche, Fortschritte.
Wir bedanken uns bei der Therapeutin und sind uns sicher, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben.

Patientin mit Amyothropher Lateralsklerose

Seit 5 ½ Jahren habe ich eine Krankheit. Anfangs hatte das niemand gemerkt bzw. mich falsch diagnostiziert. Lange Zeit bekam ich die falschen Medikamente. Nachdem vor ca. 3 ½ Jahren in der Charité die Diagnose ALS getroffen wurde, erhielt ich regelmäßig Physiotherapie, Ergotherapie und Sprachtherapie. Bei meiner ersten Sprachtherapeutin merkte ich, dass alles auf einmal rapide schlechter wurde und, dass es gar nicht mehr half. Ich hatte Probleme beim Sprechen und Schlucken. Ich merkte, dass ich immer langsamer wurde beim Sprechen und beim Schlucken half ich mir selbst und eignete mir eine Schlucktechnik an, damit ich noch schlucken konnte. Dann unterhielt ich mich mit meinem anderen Therapeuten und der gab mir den Kontakt einer anderen Praxis. Dann kam eine Sprachtherapeutin, die mir gleich zusprach, von ihrer Art und dem Umgang innerhalb der Therapie. Sie machte ganz andere Übungen mit mir und da merkte ich, dass es langsamer wurde mit der Krankheit. Als wir gemeinsam beschlossen, auch noch andere Übungen zu versuchen, wurde die Therapie noch intensiver (*Anmerkung der Therapeutin: Anfangs wurden nur einige Übungen aus der NFR genutzt. Die Patientin wurde diesbezüglich aufgeklärt und konnte sich langsam mit der Methode vertraut machen. Nach kurzer Zeit konnte die NFR in ihrer Gesamtheit zur Anwendung kommen.) Ich merkte, dass sich mein Zustand zunächst sogar besserte. Das Sprechen, das Schlucken, das Laufen, Handbewegungen- vieles war besser möglich. Auch mein Atemvolumen, welches regelmäßig überprüft wurde, verbesserte sich. Also, nach einiger Zeit war durch die Therapie eine Bremsung der Krankheit eingetreten. Heute habe ich viele Unfälle und Krankheiten dazubekommen. In diesen Zeiten hatte ich keine Therapie. Das tat mir ganz und gar nicht gut. Ich merke, dass es mir besser geht, wenn ich regelmäßig die Therapie erhalten kann. Meine Krankheit schreitet dann langsamer voran. Mir tut die Padovantherapie sehr gut.

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6. Simone Peetz-Peulen & Annette Kruschack-Gehlen
  - Die Padovan-Methode ist "Futter für die Nerven"

Simone Peetz-Peulen
Annette Kruschack-Gehlen
Ein Zeitungsartikel von Gudrun Klinkhammer, erschienen 2007 in der Kölnischen Rundschau

Durch die Wiederholung frühkindlicher Bewegungsmuster sollen im zentralen Nervensystem Strukturen "wachgerufen" werden.

Zingsheim/ Gemünd - Seit zweieinhalb Jahren arbeiten Simone Peetz-Peulen und Annette Kruschack mit Kindern nach der Padovan - Methode. Zunächst wandten sie Übungen bei Kindern an, die den integrativen Kindergarten in Zingsheim besuchen. Inzwischen zieht die Arbeit Kreise. Am Montag, 5. November, wird Kruschack um 19.30 Uhr im integrativen Kindergarten Gemünd - Malsbenden einen Vortrag halten. Auch dort arbeitet die Sprachheilpädagogin inzwischen mit fünf Kindern nach Padovan.

Beobachtet ein Außenstehender Simone Peetz - Peulen und Annette Kruschack, wenn sie mit einem Kind arbeiten, dann sieht das Ganze zunächst aus wie ein Kinderspiel aus der "guten, alten Zeit". Rhythmische Reime und Verse bestimmen die Sprache (…). Die Bewegungen die dazu ausgeführt werden, sind sehr gleichmäßig und kontinuierlich. Durch die Wiederholung frühkindlicher fundamentaler Bewegungen wie beispielsweise Rollen, Kriechen, Robben oder Krabbeln sollen im zentralen Nervensystem Strukturen "wachgerufen" werden, die zu einer Art neurologischer Reorganisation führen.

"Der Riese will nicht tanzen, er sagt: "Ich bin zu groß", lautet der Vers, zu dem die Beine eines kleinen Mädchens bewegt werden, das auf einer Matte liegt. Auch das Mädchen kann nicht tanzen. Es kann noch nicht einmal selber essen. Durch eine Magensonde, die sich unter seinem T - Shirt versteckt, muss es ernährt werden. Die Kleine genießt sichtlich die Beschäftigung, sie verfolgt sehr aufmerksam das Tun der beiden jungen Therapeutinnen. Ganz still bleibt sie zwischen den Übungen auf dem Rücken liegen und wartet darauf, was als nächstes passiert. Zwischen den Bewegungen und den damit verbundenen Versen geht immer wieder ein strahlendes Lächeln über das kleine Gesicht.

Begleitet von rhythmischen Versen bewegen Annette Kruschack (re.) und Simone Peetz-Peulen ihren kleinen Schützling.
Begleitet von rhythmischen Versen bewegen Annette Kruschack (re.)
und Simone Peetz-Peulen ihren kleinen Schützling.

Zwölf Kinder, die den integrativen Kindergarten in Zingsheim besuchen und unterschiedlichste Behinderungen aufweisen, kommen derzeit in den Genuss der Padovan - Methode. Erdacht wurde die Therapie vor über 30 Jahren von Beatriz Padovan aus Brasilien. Die Logopädin beschäftigte sich mit verschiedenen Bewegungslehren, studierte Zahnheilkunde und konzipierte auf der Grundlage natürlicher Motorik eine Art "Nervensport". Durch die regelmäßigen, sehr fein ausgeklügelten Bewegungsabläufe erhalten Nervenenden die Chance, sich miteinander zu verknüpfen.

"Die Bewegung ist Futter für die Nerven", so Annette Kruschack. (…). "Es gibt keinen Muskel, kein Gelenk und kein Sinnesorgan, was durch Padovan nicht berührt wird."

Die Kinder nehmen das Angebot immer wieder gerne an und freuen sich über den einleitenden Satz: "Komm, wir erzählen dir eine Geschichte und bewegen dich dabei." Und manchmal passieren Dinge, die selbst die beiden erfahrenen Fachfrauen in Erstaunen versetzt. So zum Beispiel, als ein Kind (…) entgegen aller Vorhersage plötzlich anfing zu sprechen. (…)

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7. Annette Kruschack-Gehlen
  - Die Faszination der neurologischen Organisation

Annette Kruschack-Gehlen

Bis heute haben die Studien und Erkenntnisse über die neurologische Organisation, durch den amerikanischen Neurochirurgen Temple Fay in den fünfziger Jahren, nichts an ihrer Bedeutung verloren. Mit "einfachsten" Messwerkzeugen, der Zusammenstellung eines multidisziplinären Teams und der Fähigkeit aus den Beobachtungen die richtigen logischen Schlussfolgerungen zu ziehen, hat er einen Meilenstein in der Wissenschaft gelegt.

Moderne Computer technologische Untersuchungen haben uns unsere DNS schlüssiger denn je gemacht und haben die Fay'schen Untersuchungen in weiten Teilen belegt.

Wir wissen heute, dass in jeder Zelle (in jeder DNS) das Programm der neuro-evolutionären Bewegungsmuster existiert. Wir Menschen können nicht anders als uns gegen die Gravitation, von der horizontalen in die vertikale Position, empor zu richten - und ganz "nebenbei" verknüpfen wir unsere Areale, die uns das Leben erfahren und erleben lassen.

Besäßen (werdende) Eltern einige Grundkenntnisse der neurologischen Organisation, dürfte so manches Kind Schritt für Schritt seine Entwicklung in seinem eigenen Tempo durchlaufen (bedeutet: weg von all dem modernen "Schnick-Schnack", hin zur eigenen Intuition und der Beobachtung der natürlichen Abläufe in der Entwicklung ihres Kindes). Die Anamnese verschiedener Pathologien (LRS, Stottern, … ) zeigt beispielsweise kein oder ein qualitativ ungenügendes Krabbelmuster. Das Bewegungsmuster des Krabbelns verknüpft in hohem Maße die Bereiche der auditiven, visuellen und vestibulären Wahrnehmung und bildet die Grundlage zur Ausbildung des Broca-Zentrums. Und wie oft hören Eltern: Das Krabbeln ist nicht so wichtig. (...)

Eine häufig gestellte Frage von Eltern lautet: "Wie kann ich die Konzentration meines Kindes fördern? Mein Kind kann keine fünf Minuten am Tisch sitzen." Auch hier sind nicht "Still-Sitz-Übungen", sondern verschiedene Bewegungen und das Wiederholen derselben für die Fähigkeit "sich-gut-konzentrieren-zu-können", wichtig. Das Saugen ist eine dieser Bewegungen, die für eine gute Konzentration zuständig sind (über die gegenseitige Wechselwirkung der 12 paarigen Hirnnerven und der Neurotransmitter - Ausschüttung und Ausbalancierung). Die "Still-Sitz-Übung" wird so zur "Still-Übung".

Ich möchte einen Satz von Beatriz A.E. Padovan in einem Ihrer Vorträge über die neurologische Organisation unterstreichen, der da lautet: "Jeder Mensch, der mit anderen Menschen arbeitet, sei es nun der Lehrer, der Arzt, der Erzieher, etc., sollte die neurologische Organisation kennen gelernt haben."

Literatur: Fay, Le Winn, Garliner

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Die Padovan-Methode-Therapie®

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